Prüfende Blicke unter den Deckel der Biotonne

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Uelzen (awb) beteiligt sich an der bundesweiten Kontrolle von Biotonnen. Im ganzen Kreisgebiet schauen Elfie Joswig und Johannes Antpöhler unter den Deckel. Stimmt der Inhalt nicht, bleibt die Tonne stehen und bekommt einen schriftlichen „Tadel“. Auf der anderen Seite gibt‘s aber auch Lob, wenn der Inhalt vorbildlich ist. Die AZ hat das Duo begleitet.

Da hat sich jemand große Mühe gegeben: Ein laminiertes Schild prangt auf dem Deckel der Biotonne vor einem Mehrfamilienhaus in der Hauenriede. Zwei dicke Kabelbinder links und rechts halten es in seiner Position. Darauf steht, dass der Abfallbehälter nicht geleert wird, falls sich darin Plastikmüll oder aber vermeintlich kompostierbare Tüten befinden.

Plastik im Biomüll

Elfie Joswig und Johannes Antpöhler nehmen das Hinweisschild am Donnerstagmorgen kurz nach 8 Uhr mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis. Schwungvoll öffnet der Abfallberater des awb im Landkreis Uelzen den Deckel – und traut seinen Augen kaum: Drinnen schlummert tatsächlich Plastik.

Damit bleibt die bereits ordentlich gefüllte 240-Liter-Tonne diesmal ohne Leerung stehen. Sie bekommt einen Anhänger, auf dem steht: „Ihre Biotonne konnte nicht geleert werden. Was nun? Bitte alles entfernen, was nicht in die Biotonne gehört und am nächsten Abfuhrtag wieder bereitstellen oder eine kostenpflichtige Sonderabfuhr beauftragen.“

Das bleibt an diesem Morgen kein Einzelfall. Den Inhalt von 102 Tonnen überprüfen Elfie Joswig und Johannes Antpöhler, bei 20 stellen sie sogenannte „Fehlwürfe“ fest. Damit summiert sich die Zahl der beanstandeten Biotonnen seit Beginn der Kontrollen letzte Woche auf 112 von 1177 überprüften.

„Viele Bürger freuen sich darüber, dass wir kontrollieren. Die Resonanz ist sehr gut. Wer etwas falsch gemacht hat, wird aufgeklärt und macht es mutmaßlich nicht so schnell wieder“, sagt Johannes Antpöhler. „Es geht uns nicht ums Meckern, sondern um Information und Aufklärung“, ergänzt Elfie Joswig. Wenn das Duo einen Straßenzug kontrolliert hat, rufen sie den Fahrer des Müllfahrzeugs an. Dann werden die Tonnen entleert – oder eben auch nicht.

 „Kompostierbare“ Tüten sind tabu

Vermeintlich kompostierbare Plastiktüten dürfen auf keinen Fall hinein. „Das liegt daran, dass der Kompost, den wir als awb in Borg in einem sechswöchigen Prozess für die Landwirtschaft herstellen, bio-zertifziert ist. Alle Störstoffe müssen deshalb hinaus“, sagt Joswig. Sie empfiehlt Papiertüten oder Zeitungspapier. Entgegen vielfacher Meinung dürften aber alle Speiseabfälle – von Essensresten bis zu abgelaufenen Molkereiprodukten – natürlich hinein, ohne Verpackung, versteht sich. „Darin sind Fett und Eiweiß, daraus entsteht Methan. Das brauchen wir für den Produktionsprozess und auch für den Stromgewinn in Borg“, erklärt Antpöhler. Wer Angst vor Geruchsbelästigung oder Maden habe, könne einen Biofilter-Deckel bestellen.

Berührungsängste kennen Elfie Joswig und Johannes Antpöhler, aber auch die Müllwerker nicht. „Uns stört das nicht, in die Biotonne zu schauen. Uns macht das Spaß, wir sind motiviert – und draußen“, sagt Joswig, während Antpöhler eine Plastik-Obstverpackung in der nächsten Tonne entdeckt, deren Code abfotografiert und ein „Beweisfoto“ macht.

Gespräche und Informationen

Viel Zuspruch gab es zuletzt am Infostand auf dem Wochenmarkt in Uelzen. Zudem werden die Wohnungsbaugesellschaften ins Boot geholt, um Mieter zu sensibilisieren. Dass das erforderlich ist, stellt sich Tag für Tag heraus. Denn auch Papier- und gelbe Tonnen sind häufig falsch befüllt, vor allem mit Restmüll, aber sogar mit Elektroschrott, wie Antpöhler berichtet. Viele Bürger seien sicher gewillt, alles richtig zu machen – oft sorge ein einzelnes „schwarzes Schaf“ dafür, dass Tonnen stehen blieben. Hier hofft man darauf, dass Gespräche unter Nachbarn für Abhilfe sorgen.

Immerhin: Wer die Tonne perfekt befüllt hat, bekommt dieser Tage auch einen positiven Anhänger an den Behälter gesteckt: „Vielen Dank für Ihre vorbildliche Mülltrennung“, heißt es darauf. „Wir meckern ja nicht nur“, lacht Elfie Joswig und zieht weiter.

Mit freundlicher Genehmigung der Allgemeinen Zeitung (AZ) der Lüneburger Heide in Uelzen / Lars Becker. Mehr im Netz auf www.az-online.de.